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Grundhypothesen der Psychodramaturgie



Hypothese 1


Die Berücksichtigung der doppelten Dimension des Spracherwerbs erleichtert den Erwerb bzw. das Lernen der Fremdsprache.


Eine Fremdsprache erwerben bzw. lernen, setzt nicht nur den Erwerb der Aussprache, der Lexik, der Syntax und der Kultur der Fremdsprache (Oberflächenziele) voraus, sondern auch die Entwicklung der Einstellungen, Haltungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die den Erwerb einer Fremdsprache fördern (Tiefenziele, z. B. Disponibilität, Empathie, Zuhören, Beobachtungs-fähigkeit, auditive Fähigkeiten, Diskriminationsfähigkeit, Flexibilität...).


Hypothese 2


Die Sensibilisierung der TeilnehmerInnen für die prosodischen und lautlichen Eigenarten der Fremdsprache erleichtert deren Erwerb bzw. das Lernen der Fremdsprache.


Schon bei Beginn des Erwerbs- und Lernprozesses ist es wichtig, die TeilnehmerInnen für die prosodischen und segmentalen Eigenarten der Fremdsprache anhand von Techniken zu sensibilisieren, die die auditive Diskrimination und die Reproduktion des fremden Rhythmus, der Melodie, der Silbendynamik und der lautlichen Eigenarten der Fremdsprache fördern. Die TeilnehmerInnen kommen damit in Resonanz mit der Fremdsprache, die ihnen vertrauter und damit leichter zu erwerben wird.


Hypothese 3


Die Herstellung eines direkten Bezugs zwischen dem Sprecher und seinen Aussagen erleichtert den Erwerb bzw. das Lernen der Fremdsprache.


Am Anfang des Erwerbsprozesses entsteht die Sprache aus der Gruppe durch Aktivitäten, die den Ausdruckswunsch der TeilnehmerInnen fördern. Diese Aktivitäten beruhen auf projektiven, assoziativen, dramaturgischen bzw. situationellen Prinzipien, die den TeilnehmerInnen erlauben, sich durch ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit bzw. durch ihre Imagination auszudrücken. Sie ermöglichen es uns, den TeilnehmerInnen dort zu begegnen, wo sie sich befinden, und ihnen in ihren Ausdruckswünschen zu folgen. So entsteht eine direkte Beziehung zwischen den SprecherInnen und ihren Aussagen, was das Verständnis, die Behaltensfähigkeit und die Integration der Fremdsprache fördert.


Hypothese 4


Der Einsatz von Verfahren, die Kontinuität und Wechsel verbinden, erleichtern den Erwerb bzw. das Lernen der Fremdsprache.


Spezifische Verfahren (Aufladung, Modulation der Sequenz, Variation der Situationsparameter...) ermöglichen eine Anreicherung, eine Wiederaufnahme und eine Erweiterung des neuen Sprachmaterials. Diese Aktivitäten bilden eine innere Kohärenz in Bezug auf die methodologische Konzeption und auf das Lehrprojekt, indem sie eine Aktivitätenfolge anbieten, die zugleich flexibel und präzise ist, und damit den TeilnehmerInnen und den TrainerInnen einen sicheren Rahmen bietet.


Hypothese 5


Die Berücksichtigung der Grundfunktionen der Sprache als Mittel zum Ausdruck und zur Kommunikation in der Gruppe erleichtert den Erwerb bzw. das Lernen der Fremdsprache.


Die Fremdsprache wird zum Ausdrucks-, Kommunikations- und Begegnungsmittel der TeilnehmerInnen in der Gruppe und nicht nur zum Lernziel. Die symbolische Funktion der Sprache drückt sich insbesondere in Übungen aus, die das Imaginäre der Gruppe ansprechen. Die TeilnehmerInnen erwerben auf diese Art eine Kenntnis der Sprache in Aktion und in Interaktion. Die Sprache wird eher erlebt und erworben als abstrakt gelernt zu werden. Mit den erfahrenen Kenntnissen verbindet sich dann das Wissen über die Sprache.


Hypothese 6


Jeder kommt besser voran, wenn er seinen eigenen Weg in der Fremdsprache geht.


Jede/r TeilnehmerIn erwirbt bzw. lernt die Fremdsprache auf Grund ihrer/seiner individuellen "Resonanz" auf die Sprache, die sich in der Gruppe entwickelt. So entwickelt sich eine Pädagogik der Differenz, die sich von einer Pädagogik der Uniformisierung unterscheidet und die jeder/m ermöglicht ihren/seinen individuellen Weg bei der Entdeckung der Fremdsprache zu gehen. Es handelt sich für die TrainerInnen darum, einen Ausdrucksrahmen anzubieten, statt Inhalte aufzuerlegen ("proposer au lieu d'imposer"), den TeilnehmerInnen zu folgen, statt ihnen mit einem Programm vorauszugehen (Folgen statt vorauzugehen). Jeder ist für seinen Erwerbs- und Lernprozess mitverantwortlich.


Hypothese 7


Jeder kommt besser voran, wenn er seinen eigenen Erwerbs- und Lernrhythmus in der Fremdsprache respektiert.


Beim Fremdsprachenerwerb ist jede/r ihre/seine eigene Referenz. Statt Inhalte für alle gleich zu programmieren und aufzuerlegen, zieht die PDL die Strategie des offenen Angebots vor, bei der jede/r übernimmt, was für sie/ ihn in Resonanz zu ihr/ihm steht bzw. was ihrem/seinem sprachlichen Reifungsprozess entspricht. Der Spracherwerb wird als individueller Erwerbs- und Lernprozess in der Gruppe betrachtet.


© Bernard Dufeu, 1995